Privatinsolvenz in England Erfahrungs-Bericht eines Lesers

England Insolvenz - Erfahrung

Erfahrungsbericht zum Ablauf der Insolvenz in England

Hier möchte ich einen kurzen Erfahrungsbericht eines Lesers veröffentlichen, der im Dezember 2013 seine Restschuldbefreiung erlangt hat. Noch einmal herzlichen Glückwunsch dazu.

Wie alt bist Du und wie hoch waren ca. Deine Verbindlichkeiten?

Ich bin jetzt 42 und meine Verbindlichkeiten waren jenseits der 100.000 Euro.

Wie war Dein Englisch und hattest Du sprachliche Hürden?

Mein Englisch war gut, aber es hat sich innerhalb kürzester Zeit noch mal erheblich verbessert, so dass der Aufenthalt durchaus als Language Experience betrachtet werden kann.

Wie lange hat Dein Verfahren mit Einführung des Lebensmittelpunktes in
England gedauert?

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20 Fragen und Antworten zum Ablauf der Englischen Privatinsolvenz

Die österreichische Steuerberaterin und Bloggerin Elfriede Sixt hatte mich kürzlich bezüglich meiner Erfahrung mit der Privatinsolvenz in England interviewt. Die Fragen und Antworten könnt ihr auf ihrem Blog finden. Vielleicht kann Euch der Inhalt behilflich sein. Ich wünsche allen Lesern viel Kraft und auch Erfolg mit der  Insolvenz, wo auch immer Ihr dies durchführt.

Nachtrag am 22.11.2012 – da der Link nicht mehr funktioniert habe ich die Fragen nun auch im Blog eingefügt:

 

wir hatten gestern ein kurzes Gespräch hinsichtlich der Details eines in England durchführbaren Privatkonkurses und ich würde  Ihnen gerne wie telefonisch avisiert spezielle Fragen stellen, für deren Beantwortung ich sehr dankbar wäre:

 

1) Wohnungssuche in London: haben Sie bereits von Deutschland aus gesucht oder wie haben Sie es gestaltet?

Ich habe vor Ort gesucht, d.h. kurz vor meinem privaten Umzug war ich des öfteren in England und habe mir auf diversen Internetseiten Angebote angesehen. Der Erstkontakt kann selbstverständlich auch von Deutschland/Österreich stattfinden, aber spätestens zur Besichtigung sollte man ja direkt vor Ort sein. Mein Ziel war es in eine möbilierte WG zu ziehen, dadurch kann man sich viel Stress mit der Einrichtung der Wohnung sparen. 

 

2) Meldung in London: ist ein Mietvertrag die Basis um zum Arbeitsamt zu marschieren oder wie ist der Ablauf, welche Behörden müssen noch kontaktiert werden. Wie funktioniert die Strom-Gasanmeldung?

Jein, das wichtigste ist eine Adresse, da man schriftlich (so war es bei mir) zu einem „Vorstellungsgespräch“  im Jobcenter Plus (engl. Arbeitsamt) eingeladen wird. Ich hatte jedoch zu dem Zeitpunkt einen feste Anschrift. Ein Mietvertrag wurde von mir nicht verlangt. Strom und Gas wurde alles vom Landlord (Vermieter) gemanaged. Achtung evtl. muss man die Anmeldung zum Council Tax selbst machen – war bei mir nicht notwendig, da es in der ersten Wohnung der Landlord gezahlt hatte und später als Student war ich vom Council Tax befreit. Weiterhin sollte man sich bei der NHS (Krankenversicherung) anmelden, dies kann beim GP (Hausarzt) mit der Erstuntersuchung erfolgen.

 

3) Bankkonto: was haben sie alles benötigt um ein Bankkonto anmelden zu können? Mietvertrag, wird Schufaeintrag geprüft?

Die Schufa ist in England nicht von Belangen, englische Behörden, Firmen und Privatpersonen legen keinen Wert darauf.

Das am leichtesten zu bekommende Konto ist der HSBC Passportaccount – Kosten aktuell 8 GBP pro Monat. Zur Kontoeröffnung wird der Passport (am besten Reisepass bzw. Personalausweis) sowie ein Adressnachweis (z.B. Telefonrechnung oder sonstiges behördliches Schreiben im Original) benötigt.

 

4) Handy: wie kommt man zu einem Handyvertrag, was muss man vorweisen können, wird SCHUFAeintrag geprüft?

Ich hatte keinen festen Vertrag sondern habe es bevorzugt „Pay As You Go“ Tarife zu wählen, das entspricht einem deutschen Prepaid Vertrag (heisst dort eben anders). Der beste Ort für eine Beratung ist carphonewarehouse.co.uk (ein Makler mit allen Verträgen). Ich hatte einen 02 Vertrag mit den ich auch zu sehr günstigen Preisen nach Dt. telefonieren konnte, sowie eine 1GB DatenFlatrate für mein Notebook

 

5) Wie war das mit der Arbeitssuche bei Ihnen

Da ich freiberuflich war und später hauptberuflich Student, kam dieses Thema für mich nicht in Frage. Es ist je nach Ausbildung und Kenntnisse m. E. nicht besonders schwer einen Job zu finden, vor allem in Großstädten.

 

 6) Wie haben Sie das soziale Leben gestaltet ?

Das ist von Person zu Person unterschiedlich. M.E kommt man sehr schnell in Kontakt mit den Engländern bzw. mit den dort lebenden Bürgern, später im Studium sehr viel Kontakt mit meinen Studienkollegen 

 

7) Wie oft sind Sie nach Deutschland auf Besuch geflogen?

Das kann flexibel gehandhabt werden, da es für die Insolvenz Irrelevant ist – es zählt lediglich der Lebensmittelpunkt und dieser muss sich in England befinden.

 

8) Haben Sie sich in Deutschland ganz einfach abgemeldet oder haben sie auch ihre einzelnen Gläubiger informiert?

Selbstverständlich habe ich mich in Deutschland abgemeldet und auch meine Wohnung gekündigt – das kann wichtig sein, sollte eine Gläubiger Nachforschungen anstellen. Ausserdem ist es eine Voraussetzung um den Lebensmittelpunkt in Enland nachweisen zu können. Die Gläubiger würde ich nicht informieren bzw. erst nach Umzug nach England. Da gem. europäischen Recht auch die Gläubiger ein Insolvenzverfahren eröffnen können und dieses findet am gewöhnlichen Lebensmittelpunkt statt. Also sollte der Wohnsitz noch Deutschland bzw. Österreich sein, so hat man nach Insolvenzeröffnung im eigenen Land keine Möglichkeit mehr die Insolvenz in England zu durchzurführen.

 

 9) Haben Sie anfangs noch Gläubigerpost aus Deutschland nach London bekommen?

Ja, auch bis zu dem Tag an dem ich die Insolvenz in UK beantragt habe – ich habe auch einen Nachsendeauftrag bei der dt. Post gestellt. Teilweise kamen sogar Schreiben von englischen Anwälten und Inkassobüros. Diese habe ich jedoch stets ignoriert und keine Reaktionen gezeigt.

 

10) Nach wieviel Monaten haben Sie Privatinsolvenz angemeldet?

Über 13 Monate (theoretisch nach 6 Monaten möglich)

 

 11) Haben Sie es gänzlich ohne Anwalt durchgeführt?

(Ja, m.E. braucht man weder einen Insolvenzberater noch einen Anwalt – für was auch ???? im schlimmsten Fall, kostet Sie der Spass noch einmal 5.000-20.000 Euro! )

 

12) Wenn ja, wer hat die deutschen Gläubiger angeschrieben?

Keiner, später der Oficial Receiver (das ist der englische Insolvenzverwalter). 

 

13) Wie oft und wie intensiv war der Kontakt mit dem Konkursgericht?

Nach Insolvenzantrag kein Kontakt mehr mit dem Gericht – nur noch mit dem englischen Insolvenzverwalter (OR) 

sporadisch ca. 5-6 Briefe in dem Jahr.  Er hatte Nachfragen zum Verfahren bzw. wollte noch diverse Unterlagen.

 

 14) Empfehlen Sie es in London Privatkonkurs durchzuführen oder sollen andere Ortschaften in England gewählt werden.

Definitiv nicht in London – auf dem Land ist es einfacher und wird weniger geprüft – man kann in der ersten Zeit in London wohnen – sollte aber mind. 3 Monate vor der Insolvenz-Anmeldung umziehen.

 

15) Wie lange hat das ganze Prozedere gedauert?

Insolvenz – genau 12 Monate (auf den Tag genau). Es muss lt. Gesetz spätestens 1 Jahr nach Antragstellung beendet werden. Voraussetzung zur Eröffnung ist u.a. der Lebensmittelpunkt in England und dazu muss man u.a. mindestens 6 Monate in UK gewohnt haben.

 

16) Wieviel wurde Ihnen von Ihrem Gehalt abgeschöpft, bzw. wieviel haben Sie monatlich zahlen müssen? Wer hat diese Berechnungen durchgeführt?

Das hängt vom Einkommen ab, es gibt keine festen Grenzen wie in D., sondern der Freibetrag richtet sich nach dem persönlichen Bedarf – da ich hauptberuflich Student war und nur nebenbei freiberuflich als Online Marketer gearbeitet habe und mein Einkommen nicht besonders hoch war – wurde mir garnichts abgeschöpft. Aber ich musste meine Ausgaben sehr genau auflisten, dies wurde auch anhand der Kontoauszüge nachgeprüft.

 

17) Haben Sie die Bestätigung der Restschuldbefreiung dann von Amtswegen zugestellt bekommen oder muß dann wieder ein Antrag gestellt werden?

Es muss ein Antrag gestellt werden (kostete glaube ich ca. 80 Pfund), dann erhalten Sie das Certificate of Discharge mit 2 oder 3 Kopien.

 

18) Was für Konsequenzen hat die Privatkonkurseröffnung auf die Verträge (Wohnung, Bank, Handy) in London?

Alle werden benachrichtigt – sogar der Vermieter (Landlord) – Wohnung kein Problem in meinem Fall – hab ja immer pünktlich gezahlt – Bankkonto gekündigt – hier gibt es aber einen Trick relativ schnell an ein neues zu gelangen (siehe auch Skript auf www.Euritio.de), Handy irrelevant da ich eine prepaid karten hatte (Pay As You Go).

 

 19) Hatten Sie während der Periode der Restschuldbefreiung nochmals Kontakt mit Ihren deutschen Gläubigern?

Nein – siehe oben – ab Eröffnung des Insolvenz-Verfahrens läuft alles über den Official Receiver.

 

20) Nach Abschluss des Privatkonkurses sind Sie wieder nach Deutschland zurückgegangen? Wie schnell war ein SCHUFAeintrag gelöscht, bzw. wie war das gesamte Prozedere?

Ich war noch längere Zeit in England da ich mein Studium noch abschliessen musste, jedoch sollte man noch mindestens 3-6 Monate warten bis man offiziell nach Deutschland zurückkommt. Schufa habe ich unmittelbar nach Abschluss des Verfahrens angeschrieben. Nach ca 2 Monaten habe ich die Bestätigung mit den Erledigungsvermerk bekommen. Dieser Erledigungsvermerk bleibt bis Ende des Jahres zzgl. 3 weitere Jahre bestehen. Aber wie erwähnt als erledigt. Weiterhin habe ich freiwillig noch einmal alle meine Gläubiger angeschrieben und eine Kopie der englischen Restschuldbefreiung (Letter oder Certificate of Discharg). Danach habe ich nie wieder etwas von einem der Gläubiger gehört.

 

 

Ich hoffe ich konnte alle Ihre Fragen beantworten und stehe für weitere Fragen gerne in auf meinem Blog  gerne zur Verfügung.

 

Ich weiß meine Fragen sind sehr umfangreich und zum Teil auch sehr detailliert. Ich würde Ihre Antworten  dann gerne  auf meinen Blog: http://www.itfconsult.wordpress.com mit einem Link auf Ihre Seite (oder wohin immer Sie wollen) stellen.

 

Ich habe immer wieder diese Anfragen, ohne den zT sehr verzweifelten Leuten Ihre Fragen beantworten zu können.

 

Ich bedanke mich im vorhinein.

 

Mfg