Privatinsolvenz für deutsche Staatsbürger in England – Was es zu beachten gibt

Einrichtung des COMI in England

Die Insolvenz in der Vergangenheit

Insolvenz. Ein Wort bei dem viele Menschen schaudern, entweder weil Sie persönlich davon betroffen sind oder weil Angehörige und Freunde schon einmal davon betroffen waren. Dabei ist dieses Thema so alt wie die Menschheit selbst. Wir finden schon im alten Babylon gewisse Ansätze um mit der persönlichen Insolvenz oder dem gewöhnlichen Bankrott umzugehen. Dieses Thema wird im bereits im Alten Testament erwähnt auch im Koran spielen persönliche Pleiten eine Rolle. Jedoch fiel der  Umgang mit dem zahlungsunfähigen Schuldner in der Vergangenheit sehr unterschiedlich aus. Während Dschingis Khan die Todesstrafe für Schuldner einführte, hatten andere Völker und Zivilisationen ein größeres Verständnis für dieses Problem. Das mittelalterliche Venedig warf jeden Schuldner ins Gefängnis und musste nach einer großen Finanzkrise feststellen, dass fast jeder Händler untätig hinter Gittern saß! Damit begann eine gesetzliche Reform der Insolvenz und jedes Land rief Ihre eigenen Insolvenzgesetz ins Leben. Heutzutage ist es wesentlich einfacher und ungefährlicher die Privatinsolvenz anzumelden als noch im letzen Jahrhundert. Trotzdem unterscheiden sich die Gesetzen innerhalb der EU gemäß durchführung, Pflichten, Rechte, Kosten und vorallem der Dauer nach. Es gibt jedoch von Land zu Land beträchtliche Unterschiede! Wir wollen in diesem Beitrag jedoch nur auf das Deutsche und das Englichse Insolvenzrecht eingehen.

Privatinsolvenz in England oder Deutschland?

Durch die wirtschaftlichen Verflechtungen und die Bewegungsfreiheit innerhalb der Europäischen Union, können Bürger der EU Ihren Wohnort beliebig verändern und kommen dadurch ebenfalls in den Genuß die für sie beste Wahl bezüglich der Privatinsolvenz treffen zu können. Dank diesem Hintergrund, ist es heute möglich die Privatinsolvenz in jedem EU-Land anzumelden. Innerhalb der EU gibt es aber unterschiedliche Gesetzesregelungen. Eine komplette Entschuldung, bzw. eine Restschuldbefreiung kriegt man in Deutschland, in der Regel, erst nach 6 Jahren (Ausnahme kürzere Laufzeit, es muss aber ein Teil der Schulden zurückgezahlt werden) und es bestehen weiterhin einige Auflagen. In England kann man nach 12 Monaten schon eine komplette Entschuldung erwirken. In Deutschland dürfen Sie auch nur einmal im Leben die Privatinsolvenz anmelden, wenn Sie aber eine Insolvenz außerhalb Deutschlands erwirkt haben, dann bleibt Ihnen diese Möglichkeit in Deutschland noch weiterhin offen. Es gibt also viele Gründe warum jemand seine Privatinsolvenz in England anmeldet, obwohl die Schulden in Deutschland getätigt wurden. Als deutscher Bürger kann sich unter bestimmten Voraussetzungen auf eine EU-Insolvenz berufen werden. Diese wird selbstverständlich in Deutschland oder Österreich auch anerkannt, vgl. BGH Urteil vom 18.09.2011, Aktenzeichen IX ZB 51/00; EU Verordnung Nr.1364/2000 vom 29.05.2000.

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Interview mit dem Official Receiver (OR)

Ungefähr 10 Tage nach der schriftlichen Einladung fand der Termin mit dem OR statt, dieser war auf 9.00 Uhr in der Früh angesetzt und sollte Planmässig ca. 3 Std. dauern könnte jedoch auch länger sein – je nach Fall. Zu diesem Termin erschien ich mit den angeforderten Unterlange (Mietverträge, Kontoauszüge der letzten 12 Monate, und einigen Formularen die ich per Post bekommen hatte) überpünktlich. Bei der Anmeldung an der Rezeption wurde ich sehr freundlich empfangen und nach einiger Zeit vom Official Receiver persönlich abgeholt. Das Interview fand in einem kleinen leeren Büro statt. Der OR hatte meine Akte mit dem eingereichten Insolvenzantrag bei sich.

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