Was ändert sich ab April 2016 in der britischen Insolvenzordnung?

Die Fälle von Privatsinsolvenz (Verbraucherinsolvenz) mehren sich in vielen Ländern der EU. Die Statistiken zeigen, dass dies auch in Großbritannien der Fall ist.  Jeder UK-Haushalt hat – statistisch gesehen – über £6,389 Konsum- oder Kreditkartenschulden. Auch hier wird eine Steigerung der Zahlungsausfälle beobachtet. Nicht ohne Grund, hatte das britische Parlament eine Kommission (Insolvency Rules Committee[2]),  damit beauftragt die derzeit gültige Insolvenzordnung (Insolvency Act 1986) zu reformieren und vor allem zu vereinfachen.

 

Seit 2014 wurde ein Maßnahmenpaket verabschiedet und in verschiedene Etappen umgesetzt. Während 2015 haben wir verschiedene dieser Änderungen festgestellt. Nicht alle treffen auf Privatschuldner zu, da auch das Insolvenzrecht für Unternehmen und Banken geändert wurde. Die wichtigste Änderung für die Privatinsolvenz kam in Form der Insolvency Act 1986 Order 2015 (SI 2015/922) und wurde ab 1. Oktober 2015 gültig. Hier wurde der Minimumbetrag für den Insolvenzantrag von 750 GBP auf 5.000 GBP erhöht. Bis dahin, konnte man auch für Kleinbeträge über 750 Pfund die Privatinsolvenz einreichen. Seit letztes Jahr geht das nicht mehr. Schuldner die Beträge unter dem Minimumbetrag schulden, werden angewiesen mit den Gläubigern zu verhandeln oder kommen unter eine andere gesetzliche Regelung. Das Individual Voluntary Arrangement (IVA) ist Teil der derzeit gültigen Insolvenzordnung. Hierbei handelt es sich um eine Regelung, bei der die Privatinsolvenz vermieden werden soll. Das Gericht und der Insolvenzverwalter vermitteln zwischen Schuldner und Gläubiger und vereinbaren einen vereinfachten Zahlungs- und Tilgungsplan. Teilweise werden die Zinszahlungen ausgesetzt oder es wird ein Betrag vereinbart, der den Schuldner aus seiner Lage befreit. Es gab im Jahre 2015 noch weitere Änderungen, aber diese betreffen nicht die Verbraucherinsolvenz (Privatinsolvenz oder Einzelpersonen).

In Kürze wird die die nächste Etappe der Reform im britischen Insolvenzrecht umgesetzt. Diese Umsetzung findet ab 1. April 2016 statt und ein weiteres Maßnahmenpaket wird dann ab 1. Oktober 2016 rechtskräftig gültig. Ich werde meine Leser über die Einzelheiten informieren, sobald diese bekannt sind und nur wenn diese eine Relevanz haben, für EU-Bürger die ihre Privatinsolvenz in England durchführen wollen. Ich erspare Ihnen hier die unwesentlichen Details und gebe die spezifischen Informationen weiter, die für Sie relevant sind.

Was ändert sich ab April 2016 in der britischen Insolvenzordnung?

Zusammenfassend kann gesagt werden dass die Insolvenzordnung noch freundlicher für Schuldner wird! Normalerweise bringen Reformen und „Vereinfachungen“ durch Kommissionen und Behörden, nicht immer Verbesserungen mit sich. In diesem Falle, kann geschlussfolgert werden, dass es sich nun noch mehr lohnt, seine Privatinsolvenz in England durchzuführen.

Nachfolgend noch eine Anmerkung des Money Advice Trust[3] (Britische Schuldnerberatung) . Die Vertreter der Schuldnerberatung und der zugehörigen Verbände, sind insgesamt zufrieden mit diesen Reformen und dem, daraus resultierenden, Schutz sowie den Erleichterungen für Schuldner.

Die Kurzversion mit den wichtigsten Änderungen:

  • Insolvenzanträge können nur noch online erstellt werden.
  • Die Kosten für eine Insolvenz belaufen sich auf 655 GBP (bisher: 525 GBP + 180 GBP). Diese kann man online bezahlen oder per Ratenzahlung .
  • Kein Gerichtstermin oder Anhörung mehr notwendig. Der Antrag geht an einen sogenannten Adjudicator (Schiedsrichter), der vom Secretary of State ernannt wird.
  • Der Prozess ist transparenter und vereinfacht. Er wird auch schneller abgewickelt.
  • Entfall von Formular 6-27 (Erklärung). Diese war immer sehr schwer zu verstehen (wegen der rechtlichen Sprache)
  • Alle Informationen, Insolvenzantrag und Rückantwort, übersichtlich auf einer Regierungs-Webseite: https://www.gov.uk/pay-off-debts

Diese waren die wichtigsten Änderungen in Kürze. Das Ziel war es, den Insolvenz-Prozess zu vereinfachen und schneller und effizienter abzuwickeln. Die Schuldner sollen auch besser informiert werden und auf andere Lösungsmöglichkeiten zugreifen können (Absprachen mit Gläubiger oder Stundungen, die gerichtlich angeordnet werden können).

Eine der wichtigsten Änderungen, ist das man ab April 2016 nun nicht mehr vor Gericht erscheinen muss.

Der Insolvenzantrag wird ab April 2016 von einem Adjudicator durchgesehen und nicht mehr wie bisher von einem Richter bei einem persönlichen Hearing. Sobald dieser Schiedsrichter, die Entscheidung getroffen hat, geht der Prozess allerdings wieder – wie bisher auch üblich – über den vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter. Es geht hier also nur um die erste Phase und die Entscheidungsfindung, um die Gericht zu entlasten. Der weitere Weg geht wieder über gerichtliche Instanzen und wird in Form des Insolvenzverwalters seine Repräsentation finden. Zum Schluss wir die Restschuldbefreiung und deren Bescheinigung wieder von einem ordentlichen Gericht erstellt. Dies ist für EU-Bürger besonders wichtig, da dieser Schritt auch die Schnittstelle zum hiesigen Gericht darstellt.

Ein weitere Novation ist die Vereinfachung der Formulare zur Antagseinreichung. Im weiteren Teil dieses Blogbeitrags, weise ich auf eine Interview hin, dass mit Liz Kenny durchgeführt wurde (Sprecherin des Money Advice Trusts = Schuldnerberatung e.V.)

Die Änderungen werden insgesamt positiv aufgefasst. Das neue Online-System wird weiterhin getestet und durch Organisationen wie die Schuldnerberatung – in Zusammenarbeit mit der Regierung – weiter verfeinert und verbessert. Eine Gruppe von Experten und auch Schuldner, die den Service nutzen müssen, werden dieses in den kommenden Monaten testen und die Ergebnisse werden ausgewertet, um zu sehen, wo man noch Verbesserungen einbringen kann. Die Online-Formulare haben einen wichtigen Vorteil. Füllt man eine Sektion aus, dann werden diese Werte in Echtzeit analysiert und weitere Sektionen – die nicht auf den spezifischen Fall des Schuldners zutreffen – entfallen automatisch. Damit kann der gesamte Prozess straffer und transparenter gestaltet werden. Die Papierversion des Antrags entfällt komplett (ab 6. April 2016). Sollte jemand Schwierigkeiten haben mit der Online-Version oder mit Technologie im Allgemeinen, dann besteht die Möglichkeit, sich an die Schuldnerberatung zu wenden. Dort wird der Antrag – zusammen mit dem Schuldner – gestellt.

Insgesamt wurden diese Änderungen eingeführt, weil viele Menschen in finanziellen Schwierigkeiten stecken, sich aber vor einem Gericht fürchten und aus diesem Grund, die Insolvenz verschleppen. Durch die neuen Online-Dienste entfällt diese Befürchtung. Der Antrag kann über einen Laptop, PC, Tablet und sogar über ein Smartphone ausgefüllt werden (mobile Version der Regierungs-Webseite!).

Meine Anmerkungen hierzu fallen auch positiv aus. Mit diesen wichtigen Änderungen, lohnt sich ein Insolvenzantrag in England jetzt noch viel mehr! Die Ratschläge und Informationen in meinen drei Ratgebern werden stets aktualisiert! Warum? Meine Ratgeber konzentrieren sich – unter anderem – darauf wie man den Lebensmittelpunkt in England aufbaut und dieser Punkt wird weiterhin aktuell bleiben, da Sie nur so eine wirkliche Chance auf die Anerkennung der britischen Restschuldbefreiung haben.

Melden Sie sich für die kostenlose E-Mail-Serie an, die diesen Prozess Schritt-für-Schritt erklärt. Die gesamte E-Mail-Serie basiert auf meine Ratgeber. Ihnen wird Woche für Woche, in Form eines E-Mails, einer der wichtigen Schritte erklärt. In der letzten E-Mail geht es um die rechtliche Anerkennung der Restschuldbefreiung in Deutschland.

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Eine komplette Version der Insolvenzordnung (auf Englisch) können Sie hier einsehen: http://www.legislation.gov.uk/ukpga/1986/45/contents. Offizieller Leitfaden der britischen Regierung: https://www.gov.uk/government/publications/guide-to-bankruptcy.

[1] Siehe Offizieller Bericht von www.themoneycharity.org.uk

[2] https://www.gov.uk/government/organisations/insolvency-rules-committee

[3] Siehe: http://www.bbc.com/news/business-27775613